6. Rauhnacht – 30. Dezember

 

  Archetyp Mutter

Entsprechender Monat des nächsten Jahres: Juni

Das Weihnachtsfest ist nun gänzlich vorüber, und sicher gab es auch in diesem Jahr unter manchem Christbaum wieder Energien, die zu Konflikten führten. Da entladen sich dann Gefühle, die das ganze Jahr irgendwie gegärt haben und durch die Kraft der Rauhnächte an die Oberfläche kommen. Sie unterstützen uns dabei Unterdrücktes an die Oberfläche zu holen, anstatt weiter schön zu tun. Je höher der Harmoniedruck auf diesem Familienfest lastet, je stärker der Ausbruch der unterdrückten Gefühle.

In einigen Regionen Deutschlands, wie z.B. im Erzgebirge, nannte man die Rauhnächte auch Mutternächte, denn aus der tiefsten Dunkelheit gebiert Mutter Erde das Licht. Insgesamt gilt diese Zeit als Frauenzeit und sie bieten uns die Gelegenheit und die perfekten Energien um in ein weibliches Bewusstsein einzutauchen, das von sozialen Werten geprägt ist, wie Gemeinschaft und Beziehung. In der nordischen Mythologie gibt es die drei Nornen Urd, Werdandi und Skuld, das sind die Schicksalsgöttinnen der Rauhnächte.

In den Rauhnächten spinnen sie unsere Schicksalsfäden am Urdbrunnen, von dem die Wurzeln des Weltenbaumes Yggdrasil gespeist werden.

Gerade an Tagen wie Weihnachten, ist es in unserer Kultur trotz aller Emanzipation noch immer die Mutter, die das meiste organisiert und sich um alles und jeden kümmert. Solange dies auch der ehrliche Wunsch der Mutter ist, ist ja auch nichts dagegen einzuwenden. Wir Frauen tragen ja insgesamt 12 Archetypen in uns und einer davon ist die Mutter, auch die große Mutter genannt. Ihre Attribute sind die der helfenden, sorgenden, mütterlichen Frau. Aber wie bei allen anderen Dingen im Leben kommt es auch hier auf die Balance an. Lebst Du nur den Archetyp der Mutter, kommt es zu einem starken Ungleichgewicht und die anderen 11 Archetypen in Dir fühlen sich verdrängt, beleidigt und vergessen. Dies führt dazu, dass sie auf negative und manipulative Art und Weise aus dem Unterbewusstsein Einfluss auf Dein Leben nehmen.

Wir alle sind im Inneren die facettenreiche Urfrau, als die wir gemeint sind. So wichtig und wunderbar der Archetyp der Mutter für die Menschheit ist, wenn Du z.B. den Anteil der wilden Frau, Kriegerin oder Königin in Dir unterdrückst, fliegt Dir das ganze Konstrukt irgendwann um die Ohren. Oft passiert das, wenn die Kinder ausziehen oder der Mann sich einer anderen Frau zuwendet. Manche Frauen sehen sich dann den Rest ihres Lebens als Opfer, weil sie doch ALLES getan und sich selbst aufgegeben haben und es nicht gedankt wird. Andere Frauen aber erwachen durch diese Krisen und beschäftigen sich nun erstmals mit den weiteren weiblichen Archetypen. Die Kriegerin erwacht langsam und erinnert daran, wie wichtig eigene Bedürfnisse sind, die Heilerin lässt das Gefühl aufkommen, dass es richtig und erlaubt ist, Bedürfnisse zu haben, auch für Mütter und Ehefrauen.

In dieser Phase kann es dann zu familiären Konflikten kommen, da die Kinder und Ehemänner es nicht gewohnt sind. Es fallen Begriffe wie egoistisch, verrückt geworden, nicht mehr die alte, zum Nachteil verändert usw.! Manchmal geht es soweit, dass sogar ein Kontaktabbruch stattfindet, was für jede Mutter furchtbar ist. Aber die Kriegerin in Ihr ist nun erwacht und mit ihr auch andere Archetypen, wie die Liebende, die Künstlerin und die weise alte. Und trotz der Ablehnung, die der erwachten Frau oft von außen entgegen schlägt, führt all das dazu, dass wir innerlich ganz werden und heilen können. Erst jetzt kannst Du auch den Archetyp der großen Mutter in seiner vollen Kraft und Schönheit erkennen und leben, so wie es der Urfrau entspricht.

Die Kraft der Urfrau beinhaltet sowohl unsere körperliche Fruchtbarkeit als auch die geistige, daher ist es nicht zwingend notwendig ein Kind zu haben, um diesen Archetyp zu leben. Unsere Fruchtbarkeit zeigt sich nicht nur durch Geburt und Großziehen von Kindern, sondern auch, wenn wir unsere Projekte in die Welt bringen. Als ich mein erstes selbstgeschriebenes Buch in der Hand hielt, kam es mir auch irgendwie wie „mein Baby“ vor, aber ich hätte es nie auf die Welt gebracht, wenn zusätzlich zur Mutter nicht auch endlich die Kriegerin, Heilerin und Künstlerin in mir hätte erwachen dürfen.

Mutter sein bedeutet auch, mütterlich und liebevoll mit Dir selbst umzugehen, besonders, wenn mal nicht alles so richtig rund läuft im Leben.

Liebe und feiere Deine Mutterkraft, indem Du nicht der Sklave Deiner Lieben bist, sondern der Knopf, der sie zusammenhält mit Deiner Liebe.

Liebe und feiere die Fruchtbarkeit, die Mutter Erde uns schenkt!

Liebe und feiere die Kraft Deiner Mutter, auch wenn Du vielleicht noch Groll ihr gegenüber in Dir spürst. Sie hat Dir das allergrößte Geschenk gemacht: Dein Leben! Besonders unsere Mütter aus der Kriegsgeneration waren oft nicht in der Lage bedingungslose Liebe zu verschenken, sie kannten sie nämlich selbst nicht. Das größte Geschenk, dass Du ihr und Dir selbst machen kannst ist 1. Vergebung (bedeutet nicht alles gut zu heißen, sondern nur, zu erkennen, dass sie es so gut gemacht hat, wie es ihr zu diesem Zeitpunkt möglich war) und 2. Die Auseinandersetzung mit den Mustern, Programmen und Glaubenssätzen, die Du von Deiner Mutter übernommen hast. Die Dich im Hier und Jetzt daran hindern Dein volles Potential auf die Straße zu bringen und Dein Geburtsrecht der Fülle zu leben. Die Meditation zur heutigen Rauhnacht wird Dich in beiden Punkten unterstützen. Auch die Meditation der 2. Rauhnacht ist hier passend.

Wir können zwar so tun, als wäre alles ok oder den Kontakt abbrechen, aber wir sind über unser Zellgedächtnis miteinander verbunden und finden ansonsten nie in unsere wirkliche Kraft, sondern geben diese Energie an unsere Töchter weiter. Das wäre unendlich schade!  

 Räucherempfehlung für Dich

Frauenmantel – hilft Zeit für Dich selbst zu finden

Kampfer – stärkt die Selbstliebe

Rosmarin – bringt alte Wunden an die Oberfläche um sie zu heilen

Lavendel – öffnet das Herz

Sternanis – fördert die Wertschätzung

Ysop – gibt inneren Frieden

(Alle Infos über die empfohlenen Kräuter findest Du im Rauchwerk-Lexikon)

Meditation 6. Rauhnacht

von Beate Huppertz-Herrmann | Rauhnächte