Die Losnächte beginnen im November, genau gesagt, am 25. November mit der Katharinennacht. Dann begann die sogenannte „stade Zeit“, die stille Zeit. Diese Nacht ist der Auftakt zu einer Zeit der Stille und der Besinnung, die Zeit des Rückzugs auf das Innere und Private. Es ist schon ein bisschen paradox, dass wir genau diese Zeit oft als besonders stressig empfinden bzw. zulassen, dass der Stress die Besinnlichkeit und Innenschau verhindert. Statt innezuhalten, erhöhen wir noch die Taktfrequenz. Zu Zeiten, als es noch kein elektrisches Licht gab, wurde sich dann am Feuer versammelt und gemeinsam gehandarbeitet und sich unterhalten.

Wobei das Wort Los hier nicht nur in der Bedeutung (Lotterie)los benutzt wird, sondern wie:

Es ist sein Los, xxx zu ertragen! Also mehr wie das Wort Schicksal. 

Lose werfen – die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft wird gezeigt.

Los (wie Lotterie) – mein Glück versuchen

Die Katharinennacht ist auch die erste der 6 Losnächte, die auch gerne Orakelnächte genannt werden, da ihre Energie sich besonders gut zum Orakeln eignet.

 

Die Orakelnächte in der Vorweihnachtszeit:

 

 Nacht vom 24.11. auf den 25.11. – Katharina

 Nacht vom 29. 11.  auf den 30.11. – Andreas

 Nacht vom 3.12. auf den 4.12. – Barbara

 Nacht vom5. 12. auf den 6.12. – Nikolaus

 Nacht vom 12.12. auf den 13.12. – Luzia

 Nacht vom 20.12. auf den 21.12. – Thomas

 

 

1. Losnacht – Katharinennacht  

St. Kathrein stellt das Tanzen ein. Dieser Spruch zur Katharinennacht soll lediglich bedeuten, dass nun die stade, stille Zeit ihren Anfang nimmt und die Freude mehr im innen statt im Aussen statt. Die Zeit der Weihnachtsvorbereitungen begann.

Katharina von Zypern war eine kluge und schöne Prinzessin, um die sehr viele Männer warben, aber sie wollte keinen von ihnen erhören und galt deshalb als eitel. Aber sie war einfach mehr an ihren Studien interessiert und liebte einsame Spaziergänge in der Natur, um ihren Gedanken nachgehen zu können. 

Auf einem dieser Spaziergänge kam sie an eine Höhle mit einem Einsiedler, der ihr von den guten Taten von Jesus erzählte. Dies begeisterte Katharina so seh, dass sie sich sofort taufen ließ. Noch in derselben Nacht erschien ihr Jesus und sie beschloß fortan als „seine Frau“ zu leben.

Als der Kaiser eines Tages verlangte, dass die Christen nun auch den heidnischen Göttern huldigen sollten, ging Katharina dazwischen und verteidigte die Rechte der Christen mit sovielen klugen Argumenten und sehr wortgewaltig. Dies machte sie bei der Bevölkerung sehr beliebt und der Kaiser traute sich nicht, sie hart zu bestrafen.

Stattdessen lud er 50 weise Männer und Gelehrte ein, um sie zu widerlegen und zurück auf den rechten Weg zu führen. Aber Katharina bekehrte die Gelehrten die sich danach zum Christentum bekannten.

Nun wollte der Kaiser sie zur Frau nehmen, doch sie lehnte ab, da sie sich ja als „Frau Christi“ (heute Nonne), bekannt hatte.

Der wütende Kaiser ließ sie zum Rädern auf ein Rad spannen, doch das Rad brach. Nun sollte sie sterben, doch auch da geschah wieder ein Wunder. Bei ihrer Enthauptung floß kein Blut sondern Milch, der Himmel tat sich auf und zornige Engel kamen herab und entrissen den Herkern ihren Leib und brachten ihn auf den Berg Sinai in ein Kloster.   Dort liegt sie noch heute begraben.

Auch in der Not wich sie nicht von ihren Überzeugungen ab. Ihre Insignien sind das Schwert und das gebrochene Rad.

Das gebrochene Rad soll uns daran erinnern, dass sich nun die Räder nicht mehr weiterdrehen, damit wir zur Besinnung kommen.

Mit Einbruch der Dunkelheit am Abend des 24. November fragen wir uns:

Was bedeutet Stille und Besinnung für mich und wo kann ich sie mehr in mein Leben integrieren?

Was soll jetzt zur Ruhe kommen in meinem Leben?

Wie kann ich das Rad des Lebens öfter mal stillstehen lassen? 

2. Losnacht – Andreasnacht

Die Nacht auf den 30. November ist die Nacht des heiligen Andreas, dem Schutzpatron der Liebenden und Eheleute. Man sagt, das was man heute Nacht träumt, geht in Erfüllung. Gleichzeitig ist es die 2. der 6 Losnächte, die sich besonders gut für Orakel und Zauber eignen. Da es der Schutzheilige der Liebenden ist, geht es beim Orakeln auch genau darum in dieser Nacht. Dies schließt natürlich auch das Thema SELBSTLIEBE mit ein.

Es gibt allerhand Geschichten zu Bräuchen, durch die man etwas über seinen Zukünftigen oder die Zukünftige erfahren soll.

Man soll an diesem Tag nach allerhand Zeichen Ausschau halten und Dinge tun wie:

Eine Apfelschale im Ganzen abschälen und dann über die Schulter werfen, diese verrät dann den Anfangsbuchstaben des Namens des Zukünftigen.

Alternativ kann man die Buchstaben des Alphabetes mit Kreide an eine Tür zeichnen und mit verbundenen Augen mit dem Finger irgendwo hin tippen – dies ist dann der Anfangsbuchstabe des künftigen Geliebten.

Durch Räuchern lassen sich an diesem Tag besonders gute Energien freisetzen.

Meine Räucherempfehlungen für die Andreasnacht:

Jasmin – öffnet das Herz, reduziert Hemmungen

Rosenblüten – Transformation, Hingabe

Patchouli – stärkt das sinnlich Weibliche

Labdanum – öffnet Herzen, unterstützt Sinnlichkeit

Myrte – immerwährende Liebe, dauerhafte Partnerschaft

3. Losnacht – Barbaranacht

Die Nacht vom 3. auf den 4. Dezember ist die 2. Losnacht innerhalb einer Woche – die Barbaranacht. Sie erinnert an die heilige Barbara, eine junge Frau, die von Ihrem Vater erst in einen Turm gesperrt und dann von ihm grausam ermordet wurde, weil sie sich zum Christentum bekehrte. Sie gilt wie die heilige Katharina als Symbol für Standhaftigkeit im Glauben.

Die Barbaranacht steht für „ins Innere gehen“ und Klarheit in Liebesdingen. Daher sollen in dieser Nacht Liebes- und Fruchtbarkeitszauber besonders gut gelingen.Und Du erhältst wertvolle Impulse über das, was Dich gerade im Innersten bewegt.

Eines der bekanntesten Rituale am morgigen Barbaratag ist das Schneiden von Obstzweigen (Kirsche, Birke oder Forsythie), die dann ins Wasser gestellt werden. Üblicherweise blühen diese Zweige dann an Weihnachten, was Glück bringen soll.

Die heilige Barbara ist auch die Schutzheilige der Bergleute, es soll ihren tiefen Glauben darstellen, dass es immer irgendwo ein Licht gibt, auch im Inneren oder in tiefer Dunkelheit.

Hier meine Räucherempfehlung für die Barbaranacht:

Rosenblüten – Transformation, Hingabe

Myrte – immerwährende Liebe, dauerhafte Partnerschaft

Johanniskraut – stimmungsaufhellend, Symbolik Licht und Sonne

Eisenkraut – verstärkt die Wahrnehmung spiritueller Energien, Hellsicht, Schutz, Liebeszauber

4. Losnacht – Nikolaus

 

Nikolausnacht

Themen: Geben und Nehmen – Ursache und Wirkung

Die bekannteste aller Losnächte, wenn auch nicht in ihrer Funktion als Los- und Orakelnacht ist die Nacht des heiligen Nikolaus vom 5. Auf den 6. Dezember.

Bis Martin Luther im Rahmen der Reformation etwas anderes beschloss, brachte der Nikolaus auch die Geschenke, so wie es heute an Weihnachten ist. Da Luther dies zu viel an Heiligenverehrung war, verlegte er die Bescherung auf Weihnachten, und der Nikolaus wurde vom Christkind abgelöst.

Hier eine Geschichte über Nikolaus, der in der 1. Hälfte des 4. Jahrhunderts Bischof von Myra war:

Es geht dabei um Deutung von Bildern, auf denen Nikolaus mit einem Buch und auch mit 3 goldenen Kugeln abgebildet ist.

In Myra lebte zu dieser Zeit ein armer Schuster, dessen Frau starb und er mit seinen 3 klugen und schönen Töchtern allein lebte.

Als auch das letzte Geld verbraucht war und sie nichts mehr zu essen hatten, ging der Schuster zu einem reichen Mann und borgte sich von diesem Geld.  

Der reiche Mann sagte ihm, dass er dieses Geld bis zum nächsten Vollmond komplett zurückzahlen müsste, da er ansonsten in den Schuldenturm gesperrt würde. Der Schuster versprach es.

Doch dann wurde er krank und konnte sein Versprechen nicht halten, das geliehene Geld war verbraucht und er wusste sich keinen Rat mehr, da am nächsten Tag schon Vollmond war. So weihte er endlich seine Töchter in die Sache ein und alle waren verzweifelt und weinten bitterlich.

Da schlug die jüngste Tochter vor, sich dem reichen Mann als Dienstmagd anzubieten, denn er wolle sie als Sklavin leben, als den armen alten Vater im Schuldenturm zu wissen. Der Vater aber lehnte das ab.

An diesem Abend spazierte Nikolaus durch Myra und als er am Haus des Schusters vorbeikam, hörte er durch das offene Fenster zufällig mit, wie der Vater den Töchtern seine Misere gestand und großes Wehklagen herrschte.

Nikolaus ging nach Hause und öffnete eine Truhe mit Schätzen, die er von seinen Eltern geerbt hatte. Er nahm 3 goldene Äpfel heraus und ging damit zum Haus des Schusters. Dort warf er sie durch das geöffnete Fenster in die Wohnstube, wo sie mit lautem Gepolter landeten und über den Boden rollten.

Die jüngste Tochter wachte davon auf und sah, wie die goldenen Äpfel im Licht des fast vollen Mondes schimmerten. Sie erkannte, dass es pures Gold war und rannte sofort hinaus, um zu sehen, woher sie kamen. Sie sah nur schemenhaft jemanden weg eilen und folgte demjenigen bis zu seinem Haus. Dort fiel sie vor ihm auf die Knie und sagte, dass nur er der Wohltäter sein könne. Nikolaus nahm sie bei der Hand, bat sie aufzustehen und gestand, dass er die Familie belauscht und so von der Not erfahren habe. Woraufhin er beschlossen habe, etwas von seinem Glück zu teilen und es dem Schuster zu bringen. Er bat sie stillschweigen zu bewahren. Der Rest der Familie hatte inzwischen die 3 goldenen Äpfel gefunden und war außer sich vor Glück und Freude. Der Vater rief: Das hat uns der Himmel geschickt! Und nur die jüngste Tochter wusste, dass es Nikolaus war.

 

5. Losnacht – Luzianacht

 

Die Luziennacht ist auch eine Losnacht und hat damit zu tun, dass dann die Zeichen und Vorhersagen für das Wetter aber auch für Glück und Tod gemacht werden können. Dazu wurden allerhand verschiedene Möglichkeiten des Orakelns zur Hilfe genommen. Ähnlich wie in der Barbaranacht wurden auch an diesem Tag Zweige geschnitten und ins Wasser gestellt und darauf gehofft, dass sie nach 4 Wochen blühten, denn das bedeutete Glück. Anders als in der Barbaranacht waren es keine Kirsch- sondern Weichselzweige.

Im Mittelalter wurde am Luziatag die Bescherung für die Kinder gemacht, denn das Weihnachtsfest wurde erst nach 1500 als Kinderfest mit Geschenken gefeiert.

In vielen meist süddeutschen Bereichen und Österreich durfte in der Luzianacht weder gebacken, ganäht oder gesponnen werden und Luzia selbst galt als strenge und bösartige Wächterin dieses Gebots. So gab es immer den Kontrast zwischen der verehrten Heiligen und einer bösen Dämonin.

Vor der Reform des gregorianischen Kalenders  im Jahr 1582 war die Luzia-Nacht die längste Nacht des Jahres und dadurch verband man damals Dämonenvorstellung mit dieser Nacht. Auch im ungarischen Volksglauben  wurde Luzia als eine bösartige Gestalt dargestellt, die in der Nacht vom 12.  auf den 13. Dezember  und am Tag drauf Schaden über Mensch und Tier bringt.

 

Die heilige Luzia lebte im 3. Jahrhundert in Sizilien, dem früheren Syrakus. Wie auch Katharina und Barbara lebte sie gefährlich, weil sie sich zum Christentum bekannte. Selbst ihren Eltern erzählte sie nichts von ihrem Glauben. Erst als sie verheiratet werden sollte, musste sie es gestehen und bat die Eltern darum jungfräulich leben zu dürfen.

Das gefiel dem verschmähten Verlobten allerdings gar nicht und er berichtete dem Kaiser Diocletian, der ein gefürchteter Christenverfolger war, davon, was Luzia für die Christen tat. In den Katakomben der Stadt versteckten sich damals verfolgte Christen und der Legende nach brachte Luzia ihnen Lebensmittel in ihre Verstecke. Um die Hände dabei frei zu haben und doch gut sehen zu können, trug sie dabei einen Kranz mit Kerzen auf dem Kopf.

Kaiser Diocletian ließ Luzia festnehmen, foltern und töten, sie starb an einem 13. Dezember.

In Italien wird Santa Luzia mit festlichen Umzügen geehrt und in Schweden zieht ein Mädchen als Luzia mit dem Kerzenkranz auf dem Kopf in einem Umzug durch die Straßen.

 

6. Losnacht – Thomasnacht

 

Die Thomasnacht ist der Auftakt zur intensivsten Phase der Rau(c)hnächte, die wir nutzen, um der Dunkelheit in uns zu begegnen. Wobei das Wort Los in diesem Fall nicht im Sinne von verlosen, sondern Schicksal gedacht ist. Thomas war einer der Jünger Jesu und zwar der, der mit vielen Ängsten und Zweifeln zu kämpfen hatte. Von ihm stammt auch die heute noch gängige Bezeichnung des „ungläubigen Thomas“, denn er wollte nicht an die Auferstehung Christi glauben, bis man ihm erlaubte seine Hand in die Wunden zu legen. Daher wurde ihm, der am längsten zweifelte, die längste Nacht zugewiesen.

Welche Ungläubigkeit gibt es noch in Dir? Glaubst Du zutiefst an Deine Großartigkeit?

Meine Räucherempfehlung für heute ist u.a. das Johanniskraut und alle anderen Kräuter, die Licht symbolisieren.